Stralsund – Drei Tage voller Eindrücke

3 Tage Stralsund
3 Tage Stralsund mit Hiddensee

1.Tag

Pünktlich um 6.30 Uhr rollte unser Bus vom Zentralen Omnibusbahnhof Berlin Richtung Stralsund. Noch etwas verschlafen, jedoch gespannt auf drei Tage voller kulinarischer, architektonischer und maritimer Überraschungen, genossen wir die Fahrt durch die von zaghaft blühenden Rapsfeldern und begrünter Landschaft erwachende Natur.

Angekommen in Stralsund wurden wir von einem „Seebären Kuttel“ und einer „Kaufmannsfrau“ in traditioneller Kleidung auf das Herzlichste begrüßt und begaben uns, in zwei Gruppen aufgeteilt, auf Erkundungstour. Wir begannen unsere Tour mit „Kuttel“, dessen Bezeichnung auf Joachim Ringelnatz und seinen „Kuttel Daddeldu“ zurückzuführen ist.

„Kuttel“ brachte uns die bewegte Geschichte der Hansestadt Stralsund auf humoristische Art und mit plattdeutschen Anekdoten näher:

Die Stadt erhielt 1234 das Stadtrecht und ist somit die älteste Stadt Pommerns. Seit 1990 ist sie amtlich Hansestadt, seit 2002 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Mittelalter wurde sie vornehmlich besiedelt von Slawen, später von Westfalen. 

Durch Kriege und Auseinandersetzungen im Wechsel zwischen Schweden und Dänemark, zwischenzeitlich von den Franzosen besetzt, später zu Preußen gehörend, nach DDR-Geschichte heute Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, hatte die Stadt eine bewegte Geschichte. Die jeweilige Zuordnung bestimmte im Wesentlichen auch die Kultur sowie die religiöse Richtung.

Unser Rundgang begann auf dem Markt mit seinem faszinierenden Rathausensemble, dem Rathaus und der Nikolaikirche. Das Rathaus, das im Stil der norddeutschen Backsteingotik gebaut ist, erinnert noch heute an Ruhm und Reichtum der Hansezeit. Der faszinierende Schaugiebel und die Wappen der benachbarten Hansestädte unterstützen diese Bedeutung. Das Rathaus wurde zu damaliger Zeit nicht nur als Sitz des Rates und der Rechtsprechung genutzt, es diente auch dem Handel und anderem jeglichen Geschäftsbetrieb. 

Der Löwensche Saal an der Nordseite des Rathauses, mit Fenstern zum Alten Markt, wird noch heute für Bürgerschaftssitzungen genutzt.

Die Nikolaikirche ist dem Schutzpatron der Seefahrer, dem Heiligen Nikolaus geweiht. Sie gehört zu den schönsten Sakralgebäuden Nordeuropas. Auch diese wurde zur damaligen Zeit nicht nur zum Beten, sondern unter anderem auch für den Viehhandel und den Frauenmarkt genutzt.

Weiter ging es zu den Dielen- und Giebelhäusern, den Häuser von Tuchmachern und Kramern (Krämern), die ihre Fassaden nach außen trugen, um ihren Reichtum und ihre Stellung zur Schau zu stellen. Gewohnt wurde im Hinterhaus. Den Handwerkern blieben die Seitenstraßen zum Bau ihrer Häuser vorbehalten. 

Die Straßen Stralsunds sind mit Granitplatten aus Schweden bepflastert, die „unkaputtbar“ sind und herkömmlich als Ballast für Segelschiffe dienten.

Wir besichtigten die Anlage des ehemaligen Franziskanerklosters „St. Johannis“, eines der ältesten Bauwerke Stralsunds. Im Innenhof der Ruine befindet sich eine Nachbildung der „Pieta“ von Ernst Barlach. „Kuttel“ erklärte anhand der Backsteinmauer die Baukunst und Herstellungsweise dieses in der Region so bedeutungsvollen und begehrten Materials. 

Pfarrkirche "St. Marienkirche“

Ebenfalls aus Backsteinen errichtet wurde die „St. Marienkirche“, die größte Pfarrkirche der Stadt, die nach dem Vorbild der Lübecker Marienkirche erbaut wurde. Die Marienkirche ist die jüngste gotische Backsteinbasilika im nordischen Raum mit einer Barockorgel und einer beeindruckenden Größe des Innenraums. Sie ist zusammengefügt aus zwei Seitenhallen und dem überragenden Mittelturm, der vier kleine Treppentürme flankiert.

Am Mägdebrunnen vorbei erfuhren wir Wissenswertes über das im 14. Jahrhundert errichtete Scheelehaus, benannt nach dem Wissenschaftler Carl Wilhelm Scheele, einem schwedischen Apotheker, der unter anderen chemischen Verbindungen auch den Sauerstoff entdeckt hat. Heute dient das Gebäude als Hotel.

Ein paar Häuser weiter wies uns unser „Kuttel“ auf einen Gedenkstein für Ferdinand von Schill hin, einem preußischen Offizier, der gegen die französische Besatzungsmacht in Stralsund kämpfte. Ein Holländer war es am Ende, der Schill köpfte und den Kopf, konserviert in Weingeist, in der öffentlichen Bibliothek zur Schau stellte. Ganz schön gruselig!

Zurück am Markt, vorbei an prunkvollen Bürgerhäusern, verabschiedeten wir uns von unserem „Kuttel“ und stürmten hungrig den „Goldenen Löwen“, wo ein gutes und reichhaltiges Mittagessen auf uns wartete. 

Unser Busfahrer Maik brachte uns gestärkt und zufrieden zum „Vienna House by Wyndham Baltic Stralsund“, wo wir in Ruhe unsere Zimmer einnahmen, um uns ein wenig von den vielen Eindrücken zu erholten.

Bis zum Abend konnten wir die Stadt nun auf eigenen Wegen erkunden oder den netten Cafés einen Besuch abstatten. 

Am Abend machten wir einen Spaziergang zum „Hansekeller im Zunfthaus“, wo wir nochmals ausgiebig tafelten.

Der Verdauungsspaziergang zum Hotel tat gut. Ich denke, jeder von uns freute sich nun auf sein Bett.

2. Tag

Am nächsten Morgen wurden wir nach dem Frühstück von unserem Busfahrer Maik zum Hafen gebracht, wo wir um 9.10 Uhr die Fähre nach Hiddensee bestiegen. Einige Mutige genossen die Überfahrt – dick angepummelt – an Deck, andere ließen es sich im geschützten Innenbereich wohl sein. 

Angekommen in Neuendorf warteten drei Planwagen samt Kutscher und Gespann, um uns über die naturfreundliche Insel zu kutschieren. Hiddensee ist autofrei und bietet reizvolle Küsten, Wälder, Heide- und Wiesenlandschaften. 

Ostseestrand Vitte

In Vitte machten wir einen Stopp, um ein Foto von der Ostsee einzufangen und uns die Füße zu vertreten.

Weiter ging es nach Kloster, wo jeder die Freizeit nach eigenem Interesse verbringen konnte. 

Malerische Häuser, nette Cafés, der imposante Leuchtturm, das Fischerei- oder Heimatmuseum und die Inselkirche mit Friedhof boten genug Gelegenheit für einen erlebnisreichen Nachmittag. Die Gräber von Gerhard Hauptmann, Walter Felsenstein und   Gret Palucca befinden sich auf dem Friedhof, unmittelbar neben der Kirche. 

Auf der ganzen Insel sind die Spuren von Promis wie Asta Nielsen, Gustav Gründgens, Ernst Barlach, Billy Wilder, Albert Einstein und anderen zu finden.

Am Ende eines schönen Nachmittags durfte das Fischbrötchen am Hafen nicht fehlen, bevor es wieder auf die Fähre, diesmal in Richtung Schaprode ging. Dort wurden wir von unserem Busfahrer Maik erwartet und sicher zurück nach Stralsund chauffiert. Es war ein tolles Erlebnis, die längste Brücke Deutschlands zu passieren. Die Rügenbrücke verbindet seit 2007 Stralsund mit der Insel Rügen.  

Am Abend erwartete uns ein opulentes Buffet im Hotel, mit weißgedeckten Tischen und einem DJ mit dezenter Musik im Hintergrund. Mit Ringelpiez mit Anfassen endete wieder ein wunderschöner Tag.

3. Tag

Nun heißt es Abschied nehmen. Nach dem Frühstück brachte uns unser Busfahrer Maik in die Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Dort erwarteten uns bereits die Stadtführer zu einem Rundgang durch ihre wunderschöne, durch Backsteingotik geprägte Altstadt. Der Marktplatz, das Rathaus, sowie die Kaufmannshäuser aus der Zeit der Hanse sind von beeindruckender Schönheit. Eine historische Stadtmauer umgibt den Stadtkern.

Unser Stadtführer wies uns auf die besondere Bedeutung Greifswalds als traditionsreiche Universitätsstadt hin. Die 1446 gegründete Universität ist eine der ältesten im Ostseeraum. Die verschiedensten Fakultäten sind hier zu Hause, mit etwa 10.000 Studierenden. Auch die Forschung spielt hierbei eine enorme Rolle. Das Stadtbild wird geprägt durch ein fröhliches Studentenleben. Kunst und Kultur spielen in dieser Stadt eine bedeutende Rolle. Zahlreiche Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein. Das Theater ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Nachhaltige Spuren hinterließ auch der Malen Caspar David Friedrich. Es existiert ein gleichnamiges Zentrum, ein Landesmuseum mit Originalen des Malers sowie dem ehemaligen Wohnhaus der Familie. Natürlich wurde ihm auch ein Denkmal gesetzt. 

Greifswald - Dom St. Nikolaus

Beeindruckend ist auch der Dom St. Nikolaus sowie zwei weitere Backsteinkirchen, St. Marien und St. Jacobi. Der Dom St. Nikolaus trägt den Spitznamen „Langer Nikolaus“, da der hohe Kirchturm schon von Weitem sichtbar ist.

Nach unserem erlebnisreichen Rundgang stürmten wir hungrig das „Störtebeker Braugasthaus“, wo wir ein vorzügliches Mittagessen einnahmen. Ob Haxe oder Fisch, alles schmackhaft und reichlich. 

Nach einem anschließenden individuellen Stadtbummel nahmen wir träge und mit vielen neuen Eindrücken beladen unsere Plätze im Bus ein. Maik brachte uns wohlbehalten zurück nach Berlin. 

Drei Tage voller Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen waren zu Ende und machten Appetit auf Neues.

Vielen Dank dafür. Vielen Dank an alle Beteiligten, den Vorstand, die fleißigen Hände und Köpfe, die uns diese schöne Zeit ermöglicht haben. Besonderer Dank gilt Frau Röwe, die sich wieder einmal mit viel Herzblut ins Zeug gelegt hat, damit alles wie am Schnürchen klappt. 

Ich freue mich auf die nächste Tour und wünsche Ihnen allen eine gesunde und glückliche Zeit bis zum nächsten Wiedersehen.

Unsere 3-Tagesfahrt wurde von Birgrid Thet dokumentiert und von Siegfried Palm im Bild festgehalten. Vielen Dank!

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